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Die Linie 1 setzt ein Zeichen-40 Jahre Bremer Straßenbahnlinie 1

Am 27. Juni 2007 um 10:04

(Bremen) Auch in Bremen waren die 50-er und frühen 60-er Jahre von der Idee einer autogerechten Stadt geprägt. Vor allem bei der Erschließung der großen Neubaugebiete setzte man neben dem Auto vorrangig auf den Bus. Viele Straßenbahnstrecken verschwanden in jenen Jahren.

 

Bereits ab Mitte der 60-er Jahre setzte in Bremen ein allmähliches Umdenken zugunsten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ein, wenn auch zunächst alles andere als konsequent: Bei der anerkannt hohen Leistungsfähigkeit der Straßenbahn im Bereich der Beförderung großer Menschenmassen hatte der Gedanke an eine Modernisierung und Verlängerung des vorhandenen Gleisnetzes in die neuen, bevölkerungsreichen Wohngebiete natürlich nahe gelegen.

 

Vor allem die Neubaugebiete in der Neuen Vahr und später in Osterholz erforderten ab Mitte der 60-er Jahre eine leistungsfähige Verkehrsanbindung. Da die dort verkehrende Buslinie 23 den Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde eine Straßenbahn geplant, die von der Kirchbachstraße aus über die Kurfürstenallee und die Kurt-Schumacher-Allee in die Neue Vahr und weiter nach Blockdiek und Osterholz führen sollte. Anfangs als Linie 9 geplant, erhielt die neue Verbindung dann die Nummer 1.

 

Zwischen der Kirchbachstraße und dem Arsterdamm ersetzte die neue Linie 1 die bisherige „4“. Am 18. Juni 1967 ging die neue Strecke zunächst bis nach Blockdiek ans Netz. Gleichzeitig übernahm der Betriebshof Neue Vahr die Straßenbahnen des alten Depots in Horn. Ein Jahr später, am 6. Oktober 1968, war auch die Verlängerung der Linie 1 bis nach Osterholz fertig, womit die Neubaugebiete nun eine schnelle Verbindung in die Innenstadt aufwiesen. Die Gesellschaft hatte für die Linie 1 eigens 30 Trieb- und 24 Beiwagen eines vierachsigen Gelenkfahrzeugtyps beschafft, der ab 1959 von der Hansa-Waggonbau GmbH in Bremen entwickelt worden war und in den 90-er Jahren durch die heutigen Niederflurzüge abgelöst worden waren. Der heutige Museumszug (Triebwagen 445 und Beiwagen 1458) gehört zur Serie, die 1966/67 für die Linie 1 beschafft wurden.

 

Die Verkehrspolitik jener Jahre war zunächst noch widersprüchlich: Mit der Eröffnung der Linie 1 im Sommer 1967 verschwand mit der damaligen Straßenbahnlinie 6 die Schienenverbindung in die Neustädter Gastfeldstraße und nach Findorff (heute Linien 26/27).

 

Eine kuriose Geschichte ereignete sich an der neuen Linie 1. In der Nähe der Kaserne Vahr befand sich das Gelände einer Gärtnerei, deren Besitzer sein Grundstück partout nicht verkaufen wollte. Erst 1972 kam es zu einer Einigung. Vorher musste die Straßenbahn das Gelände auf einer provisorischen Strecke umfahren.

 

Nach der Enteignung des Gärtners an der heutigen Julius-Brecht-Allee stellte sich letztlich heraus, dass ihm das Grundstück gar nicht gehört hatte.

 

Mehr Straßenbahn als Antwort auf Energiekrise

 

Die neue Straßenbahnverbindung wurde von den Bewohnern der Großsiedlungen im Bremer Osten von Anfang an als ein Gewinn empfunden. Konnten die während der Spitzenzeiten im dichten Takt verkehrenden Gelenkzüge doch mehr als doppelt so viele Fahrgäste befördern wie die Gelenkbusse der Linie 23, die bis zum letzten Tag von Berufstätigen überfüllt gewesen waren. Den neuen Verkehrsströmen entsprechend disponiert, vom Autoverkehr abgeschirmt und von leistungsfähigen Fahrzeugen in schneller Folge bedient, konnte die Linie 1 mitten in einer überschwappenden Motorisierungswelle ein positives Beispiel für einen zeitgemäßen Straßenbahnbetrieb geben. Als ein neues Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs in Bremen erfüllte diese Linie alle in sie gesetzten Erwartungen.

 

Konsequenterweise sollte in Obervieland die neue Großsiedlung Kattenturm gleich im Entstehen einen Schienenanschluss erhalten. Die Stadtbahnstrecke von Huckelriede nach Arsten-West konnte am 7. Oktober 1973 in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig stellte die BSAG im gleichen Jahr die ersten neuen Straßenbahnzüge vor, die in Kassel bei Wegmann und Co gebaut worden waren, die so genannten „Stadtbahnwagen“. Es sind diejenigen Züge, die derzeit durch die neuen, bequemen Niederflur-Straßenbahnwagen abgelöst werden.

 

Energiekrise und autolose Sonntage hatten die Beförderungszahlen im November und Dezember 1973 um etwa fünf bis sieben Prozent in die Höhe schnellen lassen.

 

Eine Vergrößerung der Transportkapazität, die zuvor eine fühlbare Anhebung der Beförderungsqualität bedeutet hätte, reichte plötzlich gerade noch zur Deckung der vermehrten Nachfrage aus. Die auf einmal wieder einsetzende Hinwendung zum öffentlichen Verkehrsmittel verlangte nach einer schnellen marktkonformen Reaktion des Unternehmens. Gemeinsam mit der Stadt Bremen entwickelte die BSAG daher die so genannte Kleine Verkehrskonzeption. Am 7. Oktober 1974, mit Inkrafttreten des Winterfahrplans, konnte programmgemäß deren erste Stufe anlaufen, die während der Hauptverkehrszeiten im Omnibusbetrieb eine Erhöhung des Sitzplatzangebots um etwa 20 Prozent brachte. Die Zahl von 90 Millionen Fahrgästen wurde 1974 nur knapp verfehlt und 1975 bereits überschritten. Die Bremer Presse kommentierte anerkennend: „Man fährt wieder Straßenbahn!“

 

Die BSAG sah sich nur unter erheblichen Vorbehalten in der Lage, mit Inkrafttreten des Winterfahrplans 1975/76 die zweite Stufe der Kleinen Verkehrskonzeption anlaufen zu lassen, die für die Hauptverkehrszeiten eine zwanzigprozentige Steigerung des Sitzplatzangebots im Straßenbahnbereich vorsah. Denn um das gesteckte Ziel zu erreichen, musste die Straßenbahn unter anderem den Zugabstand auf der Linie 1 von sechs auf fünf Minuten verkürzen.

 

Die Streckenführung zwischen Arsten und Osterholz behielt die Linie 1 bis zum 24. Mai 1998 bei. Mit der Inbetriebnahme der Straßenbahnstrecke nach Horn-Lehe und der damit verbundenen Netzreform erhielt sie die neue Route zwischen Huchting, Am Brill, Hauptbahnhof und Osterholz, während die wiedereröffnete Linie 4 den Abschnitt nach Arsten übernahm, der im Dezember 1998 um zwei Haltestellen erweitert wurde.

 

Von Mittelshuchting bis nach Mahndorf: Eine gute Zukunft

 

Am 8. April 2005 beschloss die Bremische Bürgerschaft den weiteren Ausbau des Bremer Straßenbahnnetzes. Unter anderem soll die Linie 1 von beiden Endpunkten aus erweitert werden und künftig zwischen Mittelshuchting und Bahnhof Mahndorf verkehren.

 

Die Planungen sehen vor, dass die Straßenbahnlinie 1 schon 2010 von der heutigen Endstelle Osterholz/Züricher Straße über St.-Gotthard-Straße, Otto-Brenner-Allee und Hans-Bredow-Straße bis zum neuen Bahnhof Mahndorf verlängert wird. Durch die bequeme Anbindung insbesondere der Wohngebiete von Tenever, der Einkaufsmärkte und Freizeitzentren an der Hans-Bredow-Straße und des neuen Bahnhofs Mahndorf entstehen neue Direktverbindungen, das Netz wird durch die Kürzung stark benutzter und zum Teil parallel fahrender Buslinien wirtschaftlicher und durch die komfortablere und pünktlichere Fahrt sind viele zusätzliche Fahrgäste zu erwarten.



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